Kunden

Autor: Timo Leontaris

Die sogenannte Hochzeitsmeile im Duisburger Norden lockt mit ihren vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten besonders an den Wochenenden eine Vielzahl von Menschen an, die die Weseler Straße und ihre Nebenstraßen beleben und hier ihre Einkäufe für feierliche Anlässe erledigen. Doch wer sind diese Kunden, woher stammen sie und was genau führt sie nach Duisburg-Marxloh? Dieser Frage ist in dem hier dargestellten Teilforschungsprojekt nachgegangen worden.

Die Kunden der Duisburger Hochzeitsmeile

Zu Beginn des Projekts wurde eine qualitative Erhebung durchgeführt, um einen ersten Eindruck von den Kundenstrukturen zu gewinnen. Hierzu wurden im Juli 2017 erste Beobachtungen im Feld gemacht und Interviews mit Experten vor Ort durchgeführt. Die so generierten Daten wurden anschließend ausgewertet, woraus sich die Grundlage zur Erstellung eines Fragebogens für eine quantitative Erhebung der Kunden, die die Hochzeitsmeile besuchen, ergab. Um der Vielfalt der Menschen, die sich auf der Weseler Straße bewegen, Rechnung zu tragen, wurde dieser Fragebogen nach der Erstellung in die Sprachen Englisch, Türkisch und Arabisch übersetzt. Zudem wurde die Forschungsgruppe durch Mitarbeiter mit Türkisch- und Arabischkenntnissen vor Ort bei den zwischen Januar und Februar 2018 durchgeführten Befragungen unterstützt. Insgesamt wurden Interviews mit 75 Besuchern der Hochzeitsmeile geführt. Im Folgenden sollen die zentralen Ergebnisse in Kürze dargestellt werden.

Altersstruktur und Geschlecht

Die Altersstruktur der befragten Besucherinnen und Besucher stellt sich als recht heterogen dar, jedoch mit einem erkennbaren Muster. Besonders stark vertreten sind dabei die Altersgruppen der 18 – 23-Jährigen (21,33 %), der 24 – 29-Jährigen (29,33 %) und der über 40-Jährigen (25,33 %) Personen. Einen eher kleinen Anteil der Besucherschaft machen hingegen die unter 18-jährigen (4 %) und die 36 – 40-jährigen (6,67 %) aus. Diese Verteilung spricht für Einkaufsgruppen, die sich aus Braut bzw. Bräutigam sowie wahrscheinlich begleitenden Eltern, Tanten und Onkel zusammensetzen und in der Tat machen Gruppen zwischen 3 bis 5 Personen ca. 70% aller Fälle aus, was auch im Zusammenhang mit kulturellen Einkaufritualen zu stehen scheint (s.u.). Dabei wirkt die Meile vor allem für weibliche Kunden attraktiv, denn weibliche Besucherinnen sind mit etwa 76% gegenüber 24% männlichen Besuchern deutlich überrepräsentiert.

Abbildung 1: Altersverteilung der Kunden          Abbildung 2: Geschlecht der Kunden in Prozent

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Nationalität und Religion

Betrachtet man die Nationalität der Befragten, so ergibt sich eine deutliche Tendenz hin zu deutschen Kunden (61,33 %), wobei mit 38,67 % über ein Drittel der Kunden einer anderen Nationalität angehören. Diese Bild differenziert sich weiter, wenn man die Religionszugehörigkeit betrachtet: gefragt nach ihrer Religion gaben 70,67 % an, dem Islam anzugehören (38,67 % von ihnen besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft, 32 % eine andere). Etwa 22,67 % der Personen gaben an Christen zu sein (18,67 % mit deutscher Staatsbürgerschaft und 4 % mit einer anderen) und ca. 6,67 % der Befragten fühlten sich einer anderen oder keiner Religion zugehörig. Die Meile scheint damit besonders ein attraktives Angebot für  Hochzeitsmoden bzw. -utensilien Islam-kultureller Prägung auszuweisen, was islamische Kunden recht unabhängig ihrer Nationalität anzuziehen scheint.

                                              Tabelle 1: Nationalität und Religion der Kunden

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Einzugsgebiet & Anreise

Der Großteil der Kunden der Hochzeitsmeile stammt hierbei aus dem Inland: 86,67 % der Befragten gaben an aus Deutschland angereist zu sein. Von den verbleibenden 13,33 % aus dem Ausland stammenden Besuchern kommt der Großteil (80 %) aus den angrenzenden Niederlanden. Die Anreise findet dabei in der Regel mit dem Auto (82 %) statt. Nur wenige der Besucher greifen, trotz guter Anbindung der Hochzeitsmeile, auf den Zug (7 %) oder den ÖPNV (11 %) zurück. Als Grund für die Anreise nennen ca. 85% der Kunden die Hochzeitsmeile selbst, 80 % die Vielfalt der Geschäfte, die sich vor Ort befinden. Gefragt nach ihren Kenntnissen von der Hochzeitsmeile geben zudem 80 % der Befragten an, durch Kenntnisse aus dem Familien- oder Bekanntenkreis an Informationen über die Meile gekommen zu sein.

Kundenprofile

Der Anlass des Besuchs der Brautmodenmeile ist in den meisten Fällen (65 %) eine oder mehrere anstehende Hochzeitsfeierlichkeiten. Weitere genannte Anlässe sind der Hennaabend (15 %), eine Verlobung (12 %) oder ein Abiball (10 %). Ein Großteil der befragten Kundinnen und Kunden sucht auf der Hochzeitsmeile nach Kleidung. Darüber hinaus sucht ca. ¼ von ihnen weitere Güter, wie beispielsweise Schmuck, Geschenke oder Zubehör. Gefragt nach dem zur Verfügung stehenden Budget, ergab sich ein sehr unterschiedlicher finanzieller Rahmen. So planten knapp 40 % der Befragten ein Budget von weniger als 500 € auszugeben, während 12 % angaben, ein Budget von > 2000 € zur Verfügung zu haben. 21,33 % der Befragten waren sich nicht sicher oder wollten keine Angaben zu ihrem finanziellen Rahmen machen. Knapp 50 % der Befragten gaben dabei an, dass die Eltern der Braut für den Einkauf aufkommen, weitere knapp 40 % führten hier die Eltern des Bräutigams an und die verbleibenden 10 % nannten andere Angehörige. Diese Praxen erklären gut die Gruppengröße der Besucher und ihre wahrscheinliche Zusammensetzung (s.o.).

                                              Abbildung 3: Einkaufsbudget der Kunden

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Aspekte des Einkaufs

Um einen Eindruck von dem Antrieb der Kunden gewinnen zu können, wurden darüber hinaus die Bewertung verschiedener Aspekte des Einkauferlebnisses abgefragt. Die befragten Personen konnten ihre Antwort auf einer vierstufigen Skala von „völlig unwichtig“ (1) bis „sehr wichtig“ (4) einordnen.

                                             Abbildung 4: Aspekte des Einkaufserlebnisses

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Besonderen Wert legen die Kunden, wie in Abbildung 4 zu sehen ist, auf die Trias aus Vielfalt (vorhandene Vielfalt bezüglich Farben, Modellen usw.), Praxis (Verhandlungsmöglichkeiten) sowie Anbindungsmöglichkeiten (regionale Nähe bzw. Erreichbarkeit). Weniger relevante Aspekte hingegen waren Sprache (vorhandene Sprachen/Verständigung), Kultur (kultureller Hintergrund der Geschäfte) und Produktion (Herstellungsort der Kleider ist die Türkei). Dieses Profil deutet darauf hin, dass die Meile sich vor allem als zentraler Standort mit einer Vielzahl an Hochzeitsmodengeschäften profilieren kann, der im Sinne eines Clusters eine außerordentlich vielfältige Produktpalette anbietet. Das bedeutet auch, dass Kunden verschiedene Angebote vergleichen und gegebenenfalls „nachverhandeln“ können. Interessanterweise spielen der kulturelle Hintergrund der Geschäfte und der konkrete Ort der Produktion dabei weniger eine Rolle, was sich unter Berücksichtigung des stark kulturell-geprägten Warenangebots gewissermaßen als Ausdruck der erfolgreichen Bedienung der spezifischen Kundenwünsche vor Ort interpretieren lässt.

Sicherheitsempfinden

Da sich der Stadtteil Marxloh in den vergangenen Jahren immer wieder mit negativer medialer Berichterstattung konfrontiert sah, wurden die befragten Kundinnen und Kunden auch nach ihrem Sicherheitsempfinden auf der Hochzeitsmeile befragt. Während knapp ¾ der Personen angaben sich sehr sicher oder sicher zu fühlen, haben demgegenüber auch ¼ an, dass sich unsicher oder nicht sicher fühlen würden.

Projektmitglieder: Maximiliane Lechtenberg